Mittwoch, 3. Juli 2019

Sivar I


golden. Augenblick
---------------------


Trocken und heiß steht die Sonne über den Feldern Elitawanas, als der Ansturm der Drachenlosen langsam unausweichliche Zukunft wird. Augenblicke sind es nur noch, die uns davon trennen. Ihre Präsenz fast schon greifbar in der Luft. Wie ein schwaches Abbild des letzten Jahres ist es nur, als Niloufar und ich uns ansehen. Wir beide. niemand sonst. Kein Heilerkreis. Keine Krieger. nur wir.

Dann fällt ein Schatten, weit genug für uns beide, und ich finde ein Lächeln. und mein Gleichgewicht. Mein Blick trifft den Siwars, und die Welt hat einen Ankerpunkt. Ein Berg von einem Mann, nannte ihn Thebastus einst. Ein Felsen – sagen alle meine Sinne. Ein Felsen im Ansturm der Feinde. Ein Felsen, fest und stark und unzerstörbar, im Wirbel der Geschehnisse dieser Welt. Ein Ruhepunkt, wohin immer er geht. Als würde er mir stets seinen ganz eigenen Moment mitbringen, der mich innehalten lässt. Wie grad jetzt.

Er nickt uns zu, sieht mich dann an. Ich wechsele einen Blick mit Niloufar. mehr braucht es nicht. "Wir würden mit dir ziehen. als Heiler." er nickt lächelnd, findet dann eigene Worte. "Ich wollte nocheinmal mit dir reden. vor der Schlacht." ich nicke ebenfalls. Für Siwar habe ich immer Zeit. "worüber?" Er zögert einen winzigen Moment. "nichts spezielles…" ich blinzele. Leute, die ohne Anliegen zu mir kommen, sind so selten, dass es mich fast schon irritiert. Dann aber erinnere ich mich, dass die Zeit, die uns in dieser Welt bleibt, selten viel länger ist, als unbedingt notwendig. Ist die Schlacht geschlagen, zum einen oder anderen Ende, reißt es uns fort. und ein Funken Freude glimmt in mir. Über das, was aus der Zeit gewachsen ist. Aus so wenig Zeit. und so wenigen Worten. Aus Schmerz und Stolz, aus Erleichterung und Wut, auf all das, was wir hier anrichten.

ich nicke also noch einmal und finde doch selbst keine Worte für den Moment. dann aber fällt mir auf, was ich schon seit einer Weile in der Hand halte. und ich ahne, was mich dazu gebracht hat. Um meine Hand ist ein goldenes Lederband geschlungen, an dem eine winzige Flasche hängt. Fest verkorkt enthält sie eine einzelne, nahezu filigrane Feder. Ich hebe die Hand und halte die geöffnete Handfläche Siwar entgegen. Fragend schaut er erst die Feder, dann mich an.

"Dies…" Erinnerung lässt mich lächeln. "…ist eine Argylenfeder." die Worte machen ihm genausowenig Sinn wie mir, als ich sie das erste Mal hörte. Mein stilles Lächeln aber wird offener, menschlich fast, als ich ihm andeute, sie zu nehmen. "Die sterbliche Form des Grauen hat sie mir gegeben." Jetzt lächelt auch er. Jahrzehnte mit Thebastus hat er schließlich verbracht. Wo goldener und grauer Weg miteinander verwoben ihr beider Schicksal fand. Vorsichtig nimmt er sie mir ab, windet das Lederband – viel zu kurz für seinen Nacken – um eine der Ketten, die er trägt. Emotionen, die ich nicht ganz beschreiben kann, stehen in seinen Augen.

Dann erhebt sich das Dunkel. Schlachtensang liegt urplötzlich in der Luft und des Roten Schwingen breiten sich am Himmel über uns aus, als die ersten Reihen der Drachenlosen die unseren treffen. ich finde noch Zeit für einen einzelnen Satz.

"Sie bringt Glück."

Sonntag, 30. Juni 2019

Zwischenspiel


Mit Asleif stockt es momentan ein Wenig. Ich hatte zwar vorgeschrieben, aber habe mich selber mit den Postings eingeholt.

Darum folgt in den nächsten Wochen ein Zwischenspiel über meine erste NSC-Rolle, nämlich Sivar Lichtklinge, den Helden des Goldenen Drachen. Diesen Char habe ich auf den letzten 4 Zeit der Legenden gespielt.

Ich bin eher durch Zufall an die Rolle gekommen, weil kurz vor dem ersten ZDL auf dem der Held zusammen mit Helden der anderen Drachen auftauchen sollte, der vorgesehene Darsteller ausgefallen ist.

Entsprechend kurz war die Vorbereitung. Den Hintergrund habe ich mehrmals gelesen, aber ich habe ein bekannt schlechtes Gedächtnis für Details. Und obwohl ich seit 2010 bis auf einmal jedes Jahr beim Drachenfest war, habe ich sehr wenig Hintergrundwissen über die Legenden der Drachen.
Trotzdem hat mir dieser Charakter tatsächlich die bislang emotionalsten Spielmomente beschert.

Beispielweise hatten die Spieler an einem Punkt die Gelegenheit mit den eigentlich von einem bösen Hexer kontrollierten Helden frei zu sprechen. Dabei teilten mir Spieler mit, daß meine Familie nach einem vermeintlich von mir begangenen Verrat in Sicherheit gebracht werden und weiter unbehelligt leben konnte. So trocken dies jetzt geschrieben klingt, in diesem Moment habe ich heiße Tränen um die Hintergrundfiguren eines erdachten Charakters vergossen.

Vielleicht erhalte noch Erlaubnis und Gelegenheit, das Leben von Sivar hier im Blog darzustellen. Ab kommender Woche erscheint hier nun erstmal ein vierteiliger Einschub über den zweiten (diesmal endgültigen?) Tod von Sivar Lichtklinge, geschrieben aus Charaktersicht von Gwaew'lim, dem Charakter von Aki.

Das ist so sicherlich erstmal aus dem Zusammenhang gerissen, für alle, die nicht das ZDL bespielen, aber ich fand Akis Texte so schön, daß ich sie gefragt habe, ob ich sie als Gastbeiträge hier in meinem Blog veröffentlichen darf. Dankenswerterweise hat sie eingewilligt.

Also ab kommendem Mittwoch: Sivar…

Donnerstag, 13. Juni 2019

Asleif XII


Nicht zuletzt durch das auffällig am Strand platzierte Schiff wurde man in Skilla auf uns aufmerksam. So einige hatten scheinbar ein Hühnchen mit El Barrakuda zu rupfen und wollten sich uns anschließen.

Wir hatten schnell viel mehr Interessenten, als Platz auf unserem Schiff war. So nahmen wir uns vor, das nächste Schiff möglichst ohne Schäden zu übernehmen.

Das gelang uns auch und damit war der Grundstein gelegt. Wir nannten das Schiff ebenfalls Schwarzer Kalmaar mit diversen Tarnnamen und besetzten es mit uns treuen Leuten. Im Gegenzug mussten die sich verpflichten, einen Anteil abzuliefern und alle Karten und Unterlagen zu El Barrakudas Organisation. Auch mussten sie bereit sein, jederzeit mit uns zusammen ein Ziel anzulaufen.

Das machten wir noch ein paar Mal und schließlich fuhren 5 Schiffe in der Schwarzen Kalmaar-Flotte und eine kleine Lorcha, ein Segler für 10 Mann, lag in Skilla auch bereit.

In dieser Zeit verloren wir leider auch Trom. Bei einem Gefecht waren wir zu unvorsichtig und ließen es zu, daß ein paar Gegner sogar auf unser Schiff kamen. Wir hatten sie zwar schnell im Griff, aber bei diesem Scharmützel hatte es den Kulko erwischt. Nachdem wir die Gegner ausgeschaltet und Trom ein anständiges Seemannsbegräbnis gegeben hatten, standen wir alle bei einem Rum zusammen und nachdem die Geschichten über Trom auserzählt waren, kam die Frage auf, wer nun Kulko sein sollte.

Ich mache es kurz: diesmal wählten sie mich. Es war ein komisches Gefühl, erstmals auf dem Achterkastell zu stehen und Befehle zu geben statt zu erhalten. Imja und Tynda unterstützen mich, wo sie konnten.

Wir sammelten immer mehr Informationen und unser auffälliges Interesse an El Barrakuda sprach sich immer weiter herum. Zur besten Zeit hingen von Imja, Tynda und mir Steckbriefe aus, die Belohnungen von 100 Goldstücken auf unsere Ergreifung und Auslieferung an El Hammur auslobten. Wir hatten sie wie Trophäen in unserem Hauptquartier ausgehängt.

Auf der anderen Seite erhielten wir von Gegnern von El Hammur durchaus auch Unterstützung, zum Beispiel einen Kaperbrief von Amani Harun, der Herrscherin des Harunreichs, einem kleinen Königreich, das sich in Konkurrenz zu El Hammur befand, aber ohne Sklaverei auskam.

Wir hatten schließlich durch die erbeuteten Karten und Schiffslogbücher genug Informationen, um das Hauptquartier von El Barrakuda ausfindig machen zu können. Das Schlitzohr residierte quasi vor aller Augen auf einer Festungsinsel in den Mangrovensümpfen vor El Hammur.

Mit einer kleinen Gruppe und der Lorcha machten wir eine Erkundungsfahrt in das Gebiet. Die Insel war hervorragend gesichert, ihr kleiner Hafen lag in einer Wehranlage, die Einfahrt von zwei Geschütztürmen mit schweren Rotzen geschützt. Wenn hier feindliche Schiffe auftauchten, hätten sie kaum eine Chance.

Wir umrundeten die Insel, die andere Seite war nicht durch Mauern geschützt aber zwischen dem Strand und El Barrakudas Hauptquartier lag eine hohe Bergkette. Soweit wir sehen konnten, könnten geübte Kletterer diese an einer Stelle überwinden und direkt in einen der Türme eindringen, wenn die Besatzung abgelenkt war.

Unser Plan nahm Gestalt an. Eine Gruppe mit den besten Kletterern würde mit der Lorcha am Strand anlanden und den Turm einnehmen. Die Türme würde das schlechteste unserer Schiffe mit einer Rumpfbesatzung ablenken. Die restlichen Schiffe würden außer Sicht warten, bis die Türme unter Kontrolle waren und dann den Hafen stürmen…

Mittwoch, 5. Juni 2019

Asleiv XI

So segelten wir los. Es war ein herrliches Gefühl, wieder auf See zu sein. Den Umgang mit dem ungewohnten Segelschiff lernte ich schnell, hatte ich doch sehr gute Lehrmeister.

Wer sich jetzt fragt, wieso ich so schnell über den Verlust des gesamten Clans und meines eigenen Vaters hinweggekommen bin, dem sei gesagt, daß ich durchaus in gewisser Weise um sie alle getrauert habe. Aber bei uns Donnoriern herrscht der Glaube an Hvalgud vor und Hvalgud holt, insbesondere von der See, die mutigsten und stärksten Donnorier zu sich. Ich vermisste natürlich die Freunde und meinen Vater, die Trauer fühlte ich jedoch hauptsächlich darüber, daß ich offensichtlich noch nicht wert war, zu Hvalgud gerufen zu werden. Nicht, daß wir eine Todessehnsucht haben, aber wenn jemand so offensichtlich ausgespart wird, macht man sich Gedanken.

Aber fürs Erste war ich froh, wieder auf See zu sein. Wir hatten uns aus den Plänen von El Barrakuda ein Schiff ausgesucht, was etwas kleiner als unser Eigenes war, in der Hoffnung, daß die Mannschaftsstärke unsere nicht überstieg.

Als der Gegner in Sicht kam luden wir die Aale und die Rotze und machten uns kampfbereit. Wir hielten direkt auf ihn zu und kamen längsseits. Alle Aale waren auf einer Seite des Schiffes angebracht und bestrichen das Deck des Gegners mit Bolzen. Mit unserer Rotze schossen wir einen Stein, der mit Absicht hoch angesetzt war und hauptsächlich die Reling des Gegners durchschlagen sollte, um Schrapnell über das Deck zu jagen. Wir wollten das Schiff selber nicht beschädigen, sondern wenn möglich übernehmen.

An Deck landeten wir einige Treffer, aber der gegnerische Kapitän war gewitzt und behielt seine Leute gut unter Kontrolle. Er nutzte seine erhöhte Position, um zu sehen, was wir auf unserem Schiff taten und gab seinen Leuten entsprechende Befehle. So konnten wir nicht ganz so viele Leute an Deck ausschalten, wie wir es gerne gehabt hätten.

Durch unseren Angriff lagen die beiden Schiffe Bug an Heck, an unserem Bug hatten wir einen Schützen stehen und auch Imja stand vorne. Der Schütze hatte aber anscheinend ein Problem mit seiner Armbrust. Er konnte nicht schnell genug nachladen, um den gegnerischen Kapitän auszuschalten.

Ich stand am Steuer und starrte abwechselnd zu unserem Schützen und dem gegnerischen Achterkastell. Imja stand mit den Händen an der Reling und schaute konzentriert auf das andere Achterkastell. Plötzlich hob sie die Hände und schien irgendetwas zu rufen. Ich konnte über den Kampflärm nicht hören, was sie sagte. Aber plötzlich schien sich ein Teil des gegnerischen Kastells in Luft aufzulösen. Teile der Reling, der Bordwand und anscheinend auch des Bodens waren verschwunden. Jetzt wurde mir klar, warum ich bei Imja öfter eine Gänsehaut bekam. Sie war eine Fingerfuchtlerin.

Ihr beeindruckendes Kunststück hatte den gegnerischen Kapitän ins Straucheln gebracht. Er fiel durch den fehlenden Boden in die darunterliegende Kajüte. Danach brach Chaos an Deck aus, ohne Führung waren die Gegner leicht überwältigt.

Das Schiff hatte keine Sklaven an Bord aber den Laderaum voll von Handelswaren. Wir hatten nur wenige aus der Besatzung am Leben gelassen. Die paar, die übrig waren, wurden in ein Beiboot gesetzt und in die Niederhöllen gejagt.

Wir segelten mit unserer Beute nach Skilla zurück. Die Waren konnte Imja gut verkaufen, so daß ich meinen ersten Beutel voll Dukaten als Anteil erhielt. Der hielt nicht lange vor. Das Schiff war, nicht zuletzt durch Imjas Fuchtelei, zu schwer beschädigt und konnte nicht repariert werden. Das störte uns wenig, wir legten das Schiff außerhalb der Stadt auf den Strand und machten unser Hauptquartier daraus…

Mittwoch, 22. Mai 2019

Asleif X


Skilla war genauso, wie Trom es uns beschrieben hatte. Ein dreckiges, lautes, stinkendes, verruchtes kleines Nest voll von Halsabschneidern, Huren, Piraten, Seefahrern und Abenteurern. Mit anderen Worten, genau unsere Stadt. Alle, die hier waren, hatten einen wichtigen Punkt gemeinsam: sie hielten die Freiheit hoch und hauten den Pestbeulen aus El Hammur auf die Fresse, wo es ging.

Es gab alles, was man brauchen konnte, Händler, Kneipen, sogar eine Schiffswerft. Unter der Oberfläche war Skilla eine funktionierende Stadt. Es gab einen Gouverneur, aber niemand wußte, wer ihn eingesetzt hatte. Der Magistrat bestand aus Händlern, die keine Scheu hatten, sich die Hände schmutzig zu machen und die nicht zu genau nachfragten, woher das Handelsgut stammte, was man ihnen anbot.

Unser Schiff, die La Perla, war im Hafen bekannt und demnach auch ihr Eigner. Das konnten wir am hämischen Grinsen des Hafenmeisters ablesen, bei dem wir die Liegegebühr entrichteten. Ich fragte trotzdem nach. Und in der Tat kannte er El Barrakuda. Er meinte, es hätte keinen falschen getroffen.
Imja kümmerte sich mit Tynda um den Verkauf der Waren, Tronde und ich sahen die Papiere und Logbücher durch und der Rest kümmerte sich um das Schiff.

Als Imja und Tynda wiederkamen, hatten sie einen Plan für unsere Finanzen entwickelt. Da wir weiterhin El Barrakuda um seine Waren bringen wollten und diese regelmäßig verkaufen würden, wollten wir uns ein Polster an Geld aufbauen. Von den Erlösen würde das Schiff ausgerüstet und verproviantiert werden, vom Rest würde ein Viertel aufgespart und der Rest davon würde gemäß den Anteilen auf die Mannschaft verteilt. Kurz gesagt erhielt der Kapitän, der bei den Südmeerpiraten Kulko genannt wurde, vier Anteile, die Offiziere drei, Ämter wie Zimmermann und Bordarzt zwei und die Mannschaft einen Anteil. Von dem aufgesparten Geld würden Reparaturen am Schiff und Entschädigungen für Verletzungen gezahlt werden.

Aus dem Logbuch konnten wir die Route der Perla entnehmen und daraus auf weitere Inseln schließen. Anscheinend hatte El Barrakuda ein Netzwerk von Inseln, die Waren für ihn produzierten. Eine ganze Flotte von Schiffen musste unterwegs sein, um alles einzusammeln. Wir konnten für den Moment weder sehen, wo er die Waren verkaufte, noch wo er selber sein Hauptquartier hatte.
Wir würden die Inseln beobachten und zunächst Schiffe von El Barrakuda angreifen, um mehr Material zu sammeln. Der angenehme Nebeneffekt war, daß wir weitere Handelswaren abgreifen würden. Imja hatte gute Kontakte in der Stadt zu verschiedenen Händlern aufgebaut.

Fürs Erste würden wir auf dem Schiff bleiben, wenn wir in Skilla waren, aber eine bequemere Unterkunft würden wir uns schnellstens suchen. In der Zwischenzeit würden wir auf jeden Fall in der Stadt verlauten lassen, daß wir Leute suchten, die sich uns anschließen wollten.

Trom hatte noch eine gute Idee, was den Namen des Schiffs anging. „La Perla“ war bekannt, wie wir an der Reaktion des Hafenmeisters gesehen hatten. Trotzdem würden wir den Namen nicht überpinseln, sondern eine Tafel mit unserem Namen „Schwarzer Kalmar“ anfertigen und darüber hängen. Wo wir schon dabei waren, würden wir noch ein paar Tafeln mit weiteren Namen herstellen und uns auch ein paar mehr Jollys besorgen.

Man konnte nie wissen, wann man eine gute Tarnung brauchte…

Mittwoch, 15. Mai 2019

Asleif IX

Wieder einmal stand der harte Kern unserer Unternehmung am Strand. Trom, Imja, Tynda und ich schauten auf unsere Beute, zwei Schiffe, während hinter uns die anderen den Sieg feierten.

Trom meinte, wir sollten so schnell wie möglich, spätestens am übernächsten Tag von hier verschwinden und mit beiden Schiffen nach Skilla fahren. Imja stimmte dem zu und meinte, wir sollten all denen, die nicht mit uns weitermachen wollten, einfach den Schnapper geben und ihres Weges ziehen lassen.

Ich überlegte und stimmte schließlich zu, wandte jedoch ein, wenn sich unsere Wege ohnehin trennten, warum dann alle nach Skilla mitschleppen. Sollten wir uns doch gleich hier trennen und jede Gruppe mit einem Schiff abfahren. Auf diesen Weg einigten wir uns schließlich.

Aber Tynda hatte noch eine andere Frage, nämlich was wir mit den Gefangenen im Bauch der Perla machen wollten. Darüber hatten wir anderen tatsächlich noch nicht nachgedacht. Ich persönlich habe kein Problem damit, jemanden zu töten, der mit der Waffe in der Hand vor mir steht, aber hilflose Gefangene abschlachten? Imja war zwar pragmatischer, aber Trom sah das genauso wie ich und so kamen wir überein, die Gefangenen einfach hier auf er Insel auszusetzen, wenn wir abreisen würden.

Am nächsten Morgen, oder eigentlich eher Mittag, als alle wieder aus dem Feierkoma erwacht waren, riefen wir alle am Strand zusammen und erläuterten unseren Plan. Letztlich wurde es so angenommen, auch wenn einige zuerst gemurrt hatten.

Trom und ich brachten die Gefangenen in eine der Hütten und sperrten sie vorerst dort ein. Wir würden die Tür zum Schluß entriegeln, wenn wir aufbrachen. Tynda und Imja durchsuchten nochmal die Kapitänskajüte des Schnappers, nahmen aber nur die Unterlagen mit, die mit El Barrakuda zu tun hatten. Seekarten hatten wir auf der Perla auch genug und die Wertsachen beanspruchte die andere Gruppe für sich, die erstaunlich schnell einen Kapitän gewählt hatte. Kurz danach brach der Schnapper auf.

Wir anderen beluden die Perla mit Proviant und allen Handelsgütern, die noch auf der Insel waren, befreiten die Gefangenen aus ihrer Hütte und sahen dann auch zu, daß wir wegkamen. Schließlich konnten wir nicht wissen, ob die andere Gruppe nicht irgendwem von uns berichten wollte. Man kann nicht vorsichtig genug sein.

Als wir die Insel hinter uns gelassen hatten, rief uns Trom alle auf dem Mitteldeck zusammen. Er meinte, es sei Zeit, uns einen Kapitän zu wählen, einen Namen zu geben und Regeln festzulegen. Als erstes sollten sich alle der Mannschaft nochmal vorstellen, die das Kapitänsamt beanspruchten. In meinem jugendlichen Übermut stellte ich mich auch in die Mitte und wollte Kapitän werden. Ich mache es kurz: die anderen wählten Trom. Sie wollten einen erfahrenen Mann an der Spitze. Der nahm mich danach bei Seite und sagte, es wäre wirklich besser, wenn ich ein paar Monate oder vielleicht sogar Jahre Erfahrung mehr sammelte. Daher wollte er mich zu seinem ersten Steuermann und damit Stellvertreter machen. Das verkündete er auch gleich der Mannschaft, die das lautstark begrüßte.

Imja wurde Zahlmeisterin und Tynda unsere Bordärztin, auch wenn sie keine wirkliche Ärztin war. Sie hatte uns aber schon auf der Insel einige sehr üble Wunden sehr gut versorgt.
Regeln gaben wir uns nur wenige. Die meisten beschäftigten sich mit der Beuteverteilung und wann der Kapitän die Mannschaft befragen soll über anstehende Entscheidungen.

Einen Namen hatten wir schnell und damit auch einen Jolly. Wir wählten den natürlichen Feind des El Barrakuda: den Schwarzen Kalmar…

Donnerstag, 9. Mai 2019

Asleif VIII

Endlich war der Tag gekommen, an dem das Schiff, was wir ursprünglich angepeilt hatten, ankommen sollte. Unsere erste Beute, das Schiff hieß „Kleiner Schnapper“, hatten wir hinter der Insel versteckt. Aus Rinandas Papieren hatten wir erfahren, daß das nächste Schiff „La Perla“ hieß und hauptsächlich Tabak und Seile übernehmen sollte, Vorräte für die Insel würde sie nur wenige mitführen.

Immerhin war es nützlich, schon einiges zu wissen, was wir nicht nur durch Beobachtungen herausfinden konnten. Die ganze Organisation von El Barrakuda schien sehr genau geplant und dokumentiert zu sein. In Rinandas Hütte fanden wir auch einen ganzen Stapel Briefe, der offensichtlich dem Kapitän der Perla mitgegeben werden sollte. Imja erwies sich hier als sehr hilfreich, sie konnte von uns am besten lesen und hatte auch genug Verstand, um Schlüsse aus dem Inhalt der Briefe zu ziehen.

Pünktlich mit der aufgehenden Sonne kam die Perla in Sicht und hielt auf den Steg zu. Wir achteten darauf, am Strand alles normal aussehen zu lassen. Der Kapitän der Perla und auch Teile der Mannschaft begannen die üblichen Spottrufe mit der vermeintlichen Wachmannschaft auszutauschen und als die Perla vertäut war, lies der Kapitän sofort die Gangway hinunter.

So weit so gut, sie schienen keinen Verdacht zu schöpfen.
Wir warteten, daß die ersten Matrosen die Gangway hinunter und zum Strand kamen. Ich stand bei den Hütten und behielt die Einfahrt der Bucht um Auge. Als dort der Schnapper auftauchte, zog ich den Säbel hervor und gab das Zeichen.

Plötzlich sahen sich die Matrosen, die an Land gekommen waren von bewaffneten Wächtern und Sklaven umringt. Die ersten fielen blutend in den Sand, bevor noch allen klar war, was hier passierte.
Der Kapitän der Perla, der schon halb die Gangway hinuntergekommen war, drehte sich um und rief seinen Leuten auf dem Schiff zu, die Aale klarzumachen. In diesem Moment schlugen aber schon die ersten Bolzen von unserem Aal auf dem Schnapper ein.

Der Strand war schnell wieder unter unserer Kontrolle, aber um die Perla mussten wir hart kämpfen und wir konnten froh sein, Unterstützung von See zu bekommen. Der Schnapper kam längsseits, als wir uns die Gangway hochkämpften und die Leute von dort enterten nun ebenfalls die Perla.
Trom und ich kämpften uns zum Heck durch. Wir hatten geplant, den Kapitän möglichst schnell zu überwältigen. Einerseits, um damit vielleicht die Moral seiner Leute zu brechen und sie zur Aufgabe zu bringen, andererseits damit ihm keine Gelegenheit blieb, eventuell wichtige Unterlagen zu vernichten.

Zu zweit stürmten wir in die Kapitänskajüte, als wir ihn auf dem Achterkastell nicht sahen und tatsächlich stand er an seinem Tisch und durchwühlte hektisch die Papiere darauf.
Trom machte kurzen Prozess mit ihm. Wir nahmen seinen Säbel und gingen damit zurück an Deck. Wie erhofft brachte die Kunde vom Tod ihres Kapitäns die restliche Mannschaft dazu, den Kampf einzustellen. Wir setzten die Überlebenden im Unterdeck gefangen und versprachen ihnen, sie laufenzulassen, wenn sie keinen Widerstand mehr leisten würden. Die verletzten Gegner erlösten wir von ihrem Leid, wir konnten ohnehin nicht alle retten und unsere Leute gingen nun mal vor.
Von den ehemaligen Sklaven hatte einer einen Arm verloren und fünf hatten es nicht geschafft. Wir bestatteten sie am Strand. Der Rest hatte nur die üblichen Blessuren und Schrammen nach einem Kampf davongetragen. Wir hatten es wieder geschafft, nun hatten wir zwei Schiffe…