Mittwoch, 7. August 2019

Sivar V


golden. Klingentanz.
Meine Hand hält ein Schwert. warum, das weiß ich selbst gerade nicht ganz wirklich. aber ich spüre das unebene Leder in den Handflächen. fühle die ungewohnte Schwere der Klinge. ich sehe kaum, wer vor, wer neben mir steht, höre nur des Krieges Lied, überall um mich herum. die Welt ist ein verschwommenes Farbenspiel nur. verworren, doch harmonisch auf unserer Seite. geordneter, wütender und so unglaublich dissonant auf der anderen.
Die Klinge scheint eher noch als ich zu wissen, wo der Feind ist. und schwingt, in meinen Händen doch, wenn er zu nah kommt. ich tanze nicht durch diese Schlacht, wie ich es sonst tue, wenn ich mit dem Schwert statt dem Wort in den Krieg ziehe. zielstrebig diesmal, ohne wirklich zu sehen. in den Feind, ohne zu zögern, ohne Bewußtsein für die Gefahr. und doch soviel bewußter, soviel ruhiger….langsamer fast. als würde diese Klinge in meinen Händen mich führen an diesem Tag. und ich lasse sie. keine Wut in mir, kein Zorn, der mein Handeln bestimmt. nur das Wissen, dass diese Klinge diese Schlacht hätte sehen sollen, und dass ich es möglich mache. Ruhe. in jedem Augenblick. in jedem Schritt. in jedem Hieb der Klinge. in jedem Schrei eines Drachenlosen. in ihrem Blut, das ich doch kaum bemerke.
Hin und wieder tanzt ein Funken Bewußtsein in mir, wenn ich jene treffe, die ich lange schon kenne. gut genug kenne. wenn ihr Blick den meinen sucht. und so wenig nur findet. trotz dem Fehlen der Maske, die mir Begleiter wurde in den Schlachten Elitawanas. und ein Funken Trotz in meinem kaum merklichen Lächeln, wenn ihr Blick die Klinge trifft, die ich trage. und doch nur so wenigen von ihnen klar wird, was falsch ist, an dem Bild, das sie dort sehen.
Keine Worte finde ich in dieser Schlacht. ich, die doch niemals wortlos kämpft. Keine Worte in mir. Nicht für die Drachenlosen. nicht für die unseren. nicht einmal für mich selbst. Nur die Klinge, die mich führt. und die Ruhe, heiß und trocken, niemals eisig, die mich trägt. die keinen Gedanken zulässt, als den nächsten Schritt, den nächsten Hieb und den Halt meiner Hände um den Griff der viel zu langen Klinge.
Der Klinge, die mich mehr führt als ich sie. Keine Freude am Kampf an diesem Tag. Nur das Wissen, dass jemand tun sollte, was ich tue. Warum? das weiß ich nicht. und es kümmert mich nicht. so ungewohnt diese Klinge meiner Hand ist, so unbeholfen ich vermutlich damit bin, alles in mir weiß, dass dies ist, was ich tun will. tun sollte.
also tue ich es.
und erst als des Roten Schwingen leichter werden um uns, als es still wird auf dem Feld, tasten erste Gefühle sich zurück in mein Sein. Die Schwere der Klinge. Das Brennen in meinen Augen, meiner Kehle. Erschöpfung, die immer deutlicher nach mir greift.
Dann sind die Drachenlosen fort. und noch immer ohne nachzudenken, finde ich den Weg zurück. An den Rand der Wiese. Dort bei den Zelten.
Noch immer schweigend knie ich nieder, sehe zum ersten Mal das Blut, das frisch nun von der Klinge rinnt. spüre nun endlich wieder das schmerzhafte Ziehen der doch kaum verheilten Pfeilwunde in meiner Seite. Ich zwinge meine Finger, verkrampft und unwillig, vom Griff des Schwertes. und wieder brennen Tränen, stiller aber als zuvor, in meinen Augen, als ich die Klinge wieder ihm gebe, der sie doch nicht mehr führen vermochte.
Erste Worte finde ich, heiser und brennend in der staubtrockenen Kehle, als ich mein eigenes Schwert, die kurze, so vertraute Klinge vom Boden neben Siwar aufnehme.
"Sie hat die Schlacht gesehen, cyfaill, die sie doch hätte kennen sollen."
dann bricht mir die Stimme. und das Schweigen hat mich wieder.

Mittwoch, 31. Juli 2019

Sivar IV


golden. Morgenlicht.
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Ich bin kein Heiler. aber selbst mir sagt die Wunde unter meinen Fingern, dass Nadel und Faden es hier nicht tun werden. Niloufar sieht mich an, die Hand in der Heilertasche. Ich schüttele nur verzweifelt den Kopf. soviel Zeit haben wir nicht.

Mein Blick trifft wieder den Siwars, dessen Augen sich fast schon wieder schließen. Handeln. Jetzt. "Vertrau mir!" ein Flehen mehr als eine Bitte. und doch findet sie noch einen winzigen Funken Antwort in seinen Augen.

Ich atme tief ein – mehr Vorbereitungszeit habe ich diesmal nicht -, greife mit der von den eigenen Wunden noch blutigen Hand tief in die Wunde in seiner Seite, spüre sein Blut über das meine rinnen und lasse los. Lasse alles los. Mit Worten, Stoßgebeten, laut und leise und ungesagt, lasse ich alle Kraft los, die ich noch habe, all meinen Willen zu leben, die helle Flamme meines Glaubens. Für ihn. den Felsen im Ansturm unserer Feinde. für ihn, den Helden meines Wegen. Für ihn…….der mir Freund wurde. so unerwartet. der mir vertraut.

Und urplötzlich kann ich spüren, wie meine Kraft ihn trifft. erahne, wie unter dem Blut Haut zu Haut findet. Wie nicht länger sein Leben mit jedem Herzschlag aus ihm herausrinnt. Kann des Goldenen Schwingen um uns beide spüren. der uns zusammen hält. der möglich macht, was ich gebe.

und als das, was ich gebe, das, was er ist, umarmt, ist es plötzlich, als würden wir uns ansehen. und die Worte, die seine Kehle nur noch flüstern kann, hallen wie ein Echo in der Kraft zwischen uns. "es ist gut…" er öffnet noch einmal langsam, viel zu langsam die Augen. und die Ruhe, die ich darin sehe, droht mich zu zerbrechen. in diesem Moment, den ich nicht wahrhaben will, muss ich vor mir selbst zugeben, was ich doch schon seit vor der Schlacht ahne. und es ist ein Messer in meiner Seele. mein Protest ist mehr ein Wimmern denn verständliche Worte. und ich flehe den Goldenen, den Drachensang an. Federleicht spüre ich Siwars Lied im Sturm meiner Kraft. "ich kann ihn rufen hören…" und er, der soviel mehr ist, als ich es jemals zu sein vermag, lehrt mich noch in diesem Augenblick, wohin der Weg führt. und ich folge ihm.

Das leise Echo seines Liedes klingt neben dem meinen jetzt. und ich verstehe. verstehe, was ich tun muss. was ich tun will. Tränen verschleiern meine Sicht. aber ich stille den Fluss meiner Kraft. "vertrau mir…" ein Flüstern kaum, und doch spüre ich, wie er, der mir doch schon entgleitet, innehält. und in diesem Atemzug schenke ich ihm, was wir ihm längst hätten geben sollen.

Ich finde Worte für ihn. Worte, die dort, wo der Goldene uns in diesem Moment zusammenhält, zu Bildern werden. Ich schenke ihm Erinnerungen, an das, was sein wird. Kraft für den Weg, der jetzt vor ihm liegt. und so flüstere ich, die Stimme heiser vor Tränen, von den Wäldern und Berghängen, von den Dörfern und Küsten der Insel, die zu seiner Zeit Osarien hieß. und ihrer Schönheit. von der Stille des leeren Schlachtfeldes unter dem Sommermond. vom Schatten eines Tores, stark und fest gegen den Feind. und vom Sonnenaufgang, der das Gold des Banners über dem Tor zum Leuchten bringt.

als die ersten Sonnenstrahlen durch das Bild, das nur wir beide sehen, fallen, findet sein letzter Atemzug ein Lächeln.

und meine Trauer bricht sich Bahn.

Mittwoch, 17. Juli 2019

Sivar III

golden. überall.
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Längst ist der Schmerz in der Seite nicht vergangen, auch wenn der Pfeil meinen Körper unlängst wieder verlassen hat.

Zuviele Hände hatten mich durch die Reihen gezerrt. Hatten nicht verstanden, was passiert. Niloufar schließlich findet Leanna, die mich fängt, als ich vor ihr ins Gras sinke.

Geübte Heilerhände entfernen den Pfeil, kippen aus mir völlig unverständlichen Gründen Wasser über meine Seite. Als ich das nächste mal versuche, aufzustehen, gibt Leanna nach. wirft das Heilermesser zur Seite und zieht mich in ihre Arme. Ich spüre ihr Zittern, höre den tiefen Atemzug, den sie nimmt. Ihre Worte jedoch sind nicht das rote Feuer, der Tatendrang, der Schlachtensang, den ich erwartet hatte. Mit ihren Worten blüht mein eigener Weg in mir, spüre ich zum ersten Mal das, was ich anderen bin. Mein eigener Glaube erhebt sich, findet Schwingen, goldene Schwingen und Willen. und Kraft. Wie Sonnenlicht. Wie Wüstenwind. Es ist nicht alles, aber es ist genug. Genug, um stehen zu können. Genug, um laufen zu können. Genug, um diesen standhaften, mutigen, wahnsinnigen Helden meines Weges suchen zu können. Ich suche Worte für meine Dankbarkeit, meinen Stolz auf sie, bin aber nicht einmal sicher, ob ich nicht stattdessen nur Unsinnslaute herausbringe. Leanna nickt nur, Erschöpfung auch in ihren Augen, und schiebt mich in Richtung der Schlacht.

Als ich vorwärts gehe, folgt mir Niloufar auf dem Fuße und ich habe weder Kraft noch Willen genug, ihr zu sagen, sie solle doch bleiben. helfen. heilen. sicher, hier am Rande der Schlacht. Für Worte reicht es immer noch nicht, aber ich greife nach ihrer Hand und sie versteht, dass ich nicht nocheinmal zulassen werde, dass die Schlacht uns trennt.

Dann laufen wir. zwischen allen Linien. suchend, immer suchend. wen ich kenne, den frage ich nach Siwar. doch die, die mich überhaupt hören können, schütteln nur den Kopf. weiter und weiter. Mein Blick wandert über Schlachtfeldrand und Schildwall. über die verschiedenen Truppen des Feindes. und dazwischen. ich ziehe nicht einmal die Waffe. wozu auch. ich halte ja nicht einmal lang genug still, um einen Schlag zu führen oder abzuwehren. Meine Seite brennt noch immer, aber mit keinem Worte, keiner Geste werde ich es erwähnen. es ist nicht wichtig.

Dann endlich. Dort. Hinter all den Kriegern. ihren und unseren. am fernen Rand der Schlacht, kurz vor den Zelten sehen wir ihn. am Boden. der direkte Weg dorthin führt allerdings durch eine Armee drachenloser Roter. die uns, und unsere Schlachtreihen immer weiter fort drängen. ich fluche wie lange schon nicht mehr. Niloufars Hand in meiner erinnert mich allerdings daran, dass ein gewagter Vorstoß im vollen Lauf auch kein valider Plan ist. und so lassen wir uns drängen. treiben mit den Schlachtreihen, nutzen jeden Schritt, jede Lücke, jeden Meter, der uns der anderen Seite näher bringt. ein Ziel nur hatten wir als die Schlacht begann. und ein Meer aus Drachenlosen versucht uns nun daran zu hindern. ein Knurren steigt in meine Kehle, aber nicht der Rote ist es, noch der Grüne, der meine Schritte hier leitet. nicht Jäger noch Krieger an diesem Tag. Hüter nur. eines einzelnen Lebens.

und dann ist der Weg frei. so frei wie er in einer Schlacht eben sein kann. und unser ausweichender Tanz wird zum gradlinigen Lauf. So kurz ist die Strecke eigentlich, so schnell sind wir dort.

Siwar liegt am Boden, Blut tränkt Mantel und Hemd. die stolze Klinge in der Hand. wir sinken neben ihm zu Boden. Niloufar öffnet die Heilertasche, mein Blick zählt die viel zu vielen Wunden unter dem Blut. die Fingerspitzen meiner Hand suchen nach den fühlbaren Zeichen von Atem und Leben in ihm,

und als meine Finger das Blut an seinem Hals berühren, zuckt er. als ich die tiefe Wunde dort finde, öffnet Siwar die Augen. und sieht mich an.

Donnerstag, 11. Juli 2019

Sivar II


golden. Schlachtensang.
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Kaum drei Schritte weit sind wir gekommen, da brodeln die Schlachtreihen auch schon um uns herum. Feinde aus allen Richtungen zersprengen die Schildreihen, die wir bilden. Siwar aber findet immer einen Weg. Im Gegensatz zu mir reicht er aber auch weit über die Reihen unserer Streiter. Wo ich normalerweise jede Lücke im Getümmel auszunutzen weiß und in ständig wechselnder Richtung durch die Reihen schlüpfe, geht er einfach hindurch. In seiner ihm eigenen Ruhe. Mein Blick gilt ihm und Niloufar gleichermaßen. Könnten doch beide nicht unterschiedlicher sein. Wo er vor mir die Ruhe selbst ist, tanzt Niloufars Blick in alle Richtungen, wirkt sie noch graziler als sonst, hier zwischen all den Kriegern.

Was auch immer geschieht, ihr Wissen und meines werden dafür sorgen, dass der Held des goldenen Weges diese Schlacht überlebt. Mehr ist nicht wichtig. mehr ist nicht zu tun. und so wehre ich nur ab, was mich treffen würde. so folgen wir Siwar durch die Reihen und die Schlacht. Seine Klinge, ein Zweihänder entsprechender Größe, liegt blank, funkelt im Sonnenlicht. Keine Wolke steht am Himmel. Golden ist die Sonne, die uns fast schon osarische Hitze bringt. Nicht nur der Rote ist heute bei uns, so scheint es.

Als mir klar wird, wohin unser Weg geht, rufe ich nach vorn. Als Siwar unsere Schlachtreihe hinter sich lässt, rufe ich lauter. Ein Blick über die Schulter, einen Wimpernschlag der Ablenkung, den ich zulasse, zeigt mir, wie Niloufar zögernd, zweifelnd, aber dennoch soviel mehr Verstand als ich zeigend, in unseren Reihen bleibt. Dann sehe ich wieder Siwar, spüre das Moor, dass das Lied der Drachenlosen um mich herum ist. Die doch Abstand halten. Meine Stimme schafft es kaum über den Schlachtenlärm, will den Mann vor mir allein durch Worte zurückholen. und weiß doch, er hat schon andere Schlachten geschlagen, sie alle überlebt. wissend, was er tut. golden und grau. jede Tat abgewogen.

Auf den Schilden vor uns leuchtet das Gold, das ihr Zeichen trägt. Schwert und Waage. das eine das andere zerbrechend. Es kommt mir nicht einmal in den Sinn, dass es völlig wahnwitzig ist, dass ich noch am Leben bin. Ich weiß nur, dass das, was da vor mir geschieht, alles andere, als eine gute Idee ist.

Ich hebe noch einmal die Stimme. Keine Worte als sein Name. und die verzweifelte Hoffnung, dass er mich hört. Wie ein Felsen, unbeirrbar. Mutig, jenseits von Verstand. In diesem Moment sehe ich, was der Goldene stets in ihm sah. und bewundere ihn genauso sehr für das, was er tut, wie ich es doch verhindern will. Die Drachenlosen des goldenen Weges bemerken uns. bemerken ihn. Stolz und Verzweifelung sind wie Flammen und Sturm in mir. und ich versuche es noch einmal. und die wenigen Silben seines Namens ersterben auf meinen Lippen als ein Pfeil – tief aus den feindlichen Reihen, weit, weit hinter den Ungerechten – sich in meine Seite bohrt. Mich zurückwirft, wenn auch nicht zu Boden. zurück bis fast an die eigenen Reihen. Den Pfeil in der Seite umklammernd reiße ich den Kopf hoch. Suche durch die Schmerzensschleier vor meinen Augen nach Siwar.

Doch das letzte, was ich sehe, bevor mich jemand zurück zerrt, sich die eigenen Reihen vor mir schließen, ist das Funkeln Siwars blanker, strahlender Klinge, die in entschlossener Herausforderung auf den Obersten Goldenen zeigt.

Mittwoch, 3. Juli 2019

Sivar I


golden. Augenblick
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Trocken und heiß steht die Sonne über den Feldern Elitawanas, als der Ansturm der Drachenlosen langsam unausweichliche Zukunft wird. Augenblicke sind es nur noch, die uns davon trennen. Ihre Präsenz fast schon greifbar in der Luft. Wie ein schwaches Abbild des letzten Jahres ist es nur, als Niloufar und ich uns ansehen. Wir beide. niemand sonst. Kein Heilerkreis. Keine Krieger. nur wir.

Dann fällt ein Schatten, weit genug für uns beide, und ich finde ein Lächeln. und mein Gleichgewicht. Mein Blick trifft den Siwars, und die Welt hat einen Ankerpunkt. Ein Berg von einem Mann, nannte ihn Thebastus einst. Ein Felsen – sagen alle meine Sinne. Ein Felsen im Ansturm der Feinde. Ein Felsen, fest und stark und unzerstörbar, im Wirbel der Geschehnisse dieser Welt. Ein Ruhepunkt, wohin immer er geht. Als würde er mir stets seinen ganz eigenen Moment mitbringen, der mich innehalten lässt. Wie grad jetzt.

Er nickt uns zu, sieht mich dann an. Ich wechsele einen Blick mit Niloufar. mehr braucht es nicht. "Wir würden mit dir ziehen. als Heiler." er nickt lächelnd, findet dann eigene Worte. "Ich wollte nocheinmal mit dir reden. vor der Schlacht." ich nicke ebenfalls. Für Siwar habe ich immer Zeit. "worüber?" Er zögert einen winzigen Moment. "nichts spezielles…" ich blinzele. Leute, die ohne Anliegen zu mir kommen, sind so selten, dass es mich fast schon irritiert. Dann aber erinnere ich mich, dass die Zeit, die uns in dieser Welt bleibt, selten viel länger ist, als unbedingt notwendig. Ist die Schlacht geschlagen, zum einen oder anderen Ende, reißt es uns fort. und ein Funken Freude glimmt in mir. Über das, was aus der Zeit gewachsen ist. Aus so wenig Zeit. und so wenigen Worten. Aus Schmerz und Stolz, aus Erleichterung und Wut, auf all das, was wir hier anrichten.

ich nicke also noch einmal und finde doch selbst keine Worte für den Moment. dann aber fällt mir auf, was ich schon seit einer Weile in der Hand halte. und ich ahne, was mich dazu gebracht hat. Um meine Hand ist ein goldenes Lederband geschlungen, an dem eine winzige Flasche hängt. Fest verkorkt enthält sie eine einzelne, nahezu filigrane Feder. Ich hebe die Hand und halte die geöffnete Handfläche Siwar entgegen. Fragend schaut er erst die Feder, dann mich an.

"Dies…" Erinnerung lässt mich lächeln. "…ist eine Argylenfeder." die Worte machen ihm genausowenig Sinn wie mir, als ich sie das erste Mal hörte. Mein stilles Lächeln aber wird offener, menschlich fast, als ich ihm andeute, sie zu nehmen. "Die sterbliche Form des Grauen hat sie mir gegeben." Jetzt lächelt auch er. Jahrzehnte mit Thebastus hat er schließlich verbracht. Wo goldener und grauer Weg miteinander verwoben ihr beider Schicksal fand. Vorsichtig nimmt er sie mir ab, windet das Lederband – viel zu kurz für seinen Nacken – um eine der Ketten, die er trägt. Emotionen, die ich nicht ganz beschreiben kann, stehen in seinen Augen.

Dann erhebt sich das Dunkel. Schlachtensang liegt urplötzlich in der Luft und des Roten Schwingen breiten sich am Himmel über uns aus, als die ersten Reihen der Drachenlosen die unseren treffen. ich finde noch Zeit für einen einzelnen Satz.

"Sie bringt Glück."

Sonntag, 30. Juni 2019

Zwischenspiel


Mit Asleif stockt es momentan ein Wenig. Ich hatte zwar vorgeschrieben, aber habe mich selber mit den Postings eingeholt.

Darum folgt in den nächsten Wochen ein Zwischenspiel über meine erste NSC-Rolle, nämlich Sivar Lichtklinge, den Helden des Goldenen Drachen. Diesen Char habe ich auf den letzten 4 Zeit der Legenden gespielt.

Ich bin eher durch Zufall an die Rolle gekommen, weil kurz vor dem ersten ZDL auf dem der Held zusammen mit Helden der anderen Drachen auftauchen sollte, der vorgesehene Darsteller ausgefallen ist.

Entsprechend kurz war die Vorbereitung. Den Hintergrund habe ich mehrmals gelesen, aber ich habe ein bekannt schlechtes Gedächtnis für Details. Und obwohl ich seit 2010 bis auf einmal jedes Jahr beim Drachenfest war, habe ich sehr wenig Hintergrundwissen über die Legenden der Drachen.
Trotzdem hat mir dieser Charakter tatsächlich die bislang emotionalsten Spielmomente beschert.

Beispielweise hatten die Spieler an einem Punkt die Gelegenheit mit den eigentlich von einem bösen Hexer kontrollierten Helden frei zu sprechen. Dabei teilten mir Spieler mit, daß meine Familie nach einem vermeintlich von mir begangenen Verrat in Sicherheit gebracht werden und weiter unbehelligt leben konnte. So trocken dies jetzt geschrieben klingt, in diesem Moment habe ich heiße Tränen um die Hintergrundfiguren eines erdachten Charakters vergossen.

Vielleicht erhalte noch Erlaubnis und Gelegenheit, das Leben von Sivar hier im Blog darzustellen. Ab kommender Woche erscheint hier nun erstmal ein vierteiliger Einschub über den zweiten (diesmal endgültigen?) Tod von Sivar Lichtklinge, geschrieben aus Charaktersicht von Gwaew'lim, dem Charakter von Aki.

Das ist so sicherlich erstmal aus dem Zusammenhang gerissen, für alle, die nicht das ZDL bespielen, aber ich fand Akis Texte so schön, daß ich sie gefragt habe, ob ich sie als Gastbeiträge hier in meinem Blog veröffentlichen darf. Dankenswerterweise hat sie eingewilligt.

Also ab kommendem Mittwoch: Sivar…

Donnerstag, 13. Juni 2019

Asleif XII


Nicht zuletzt durch das auffällig am Strand platzierte Schiff wurde man in Skilla auf uns aufmerksam. So einige hatten scheinbar ein Hühnchen mit El Barrakuda zu rupfen und wollten sich uns anschließen.

Wir hatten schnell viel mehr Interessenten, als Platz auf unserem Schiff war. So nahmen wir uns vor, das nächste Schiff möglichst ohne Schäden zu übernehmen.

Das gelang uns auch und damit war der Grundstein gelegt. Wir nannten das Schiff ebenfalls Schwarzer Kalmaar mit diversen Tarnnamen und besetzten es mit uns treuen Leuten. Im Gegenzug mussten die sich verpflichten, einen Anteil abzuliefern und alle Karten und Unterlagen zu El Barrakudas Organisation. Auch mussten sie bereit sein, jederzeit mit uns zusammen ein Ziel anzulaufen.

Das machten wir noch ein paar Mal und schließlich fuhren 5 Schiffe in der Schwarzen Kalmaar-Flotte und eine kleine Lorcha, ein Segler für 10 Mann, lag in Skilla auch bereit.

In dieser Zeit verloren wir leider auch Trom. Bei einem Gefecht waren wir zu unvorsichtig und ließen es zu, daß ein paar Gegner sogar auf unser Schiff kamen. Wir hatten sie zwar schnell im Griff, aber bei diesem Scharmützel hatte es den Kulko erwischt. Nachdem wir die Gegner ausgeschaltet und Trom ein anständiges Seemannsbegräbnis gegeben hatten, standen wir alle bei einem Rum zusammen und nachdem die Geschichten über Trom auserzählt waren, kam die Frage auf, wer nun Kulko sein sollte.

Ich mache es kurz: diesmal wählten sie mich. Es war ein komisches Gefühl, erstmals auf dem Achterkastell zu stehen und Befehle zu geben statt zu erhalten. Imja und Tynda unterstützen mich, wo sie konnten.

Wir sammelten immer mehr Informationen und unser auffälliges Interesse an El Barrakuda sprach sich immer weiter herum. Zur besten Zeit hingen von Imja, Tynda und mir Steckbriefe aus, die Belohnungen von 100 Goldstücken auf unsere Ergreifung und Auslieferung an El Hammur auslobten. Wir hatten sie wie Trophäen in unserem Hauptquartier ausgehängt.

Auf der anderen Seite erhielten wir von Gegnern von El Hammur durchaus auch Unterstützung, zum Beispiel einen Kaperbrief von Amani Harun, der Herrscherin des Harunreichs, einem kleinen Königreich, das sich in Konkurrenz zu El Hammur befand, aber ohne Sklaverei auskam.

Wir hatten schließlich durch die erbeuteten Karten und Schiffslogbücher genug Informationen, um das Hauptquartier von El Barrakuda ausfindig machen zu können. Das Schlitzohr residierte quasi vor aller Augen auf einer Festungsinsel in den Mangrovensümpfen vor El Hammur.

Mit einer kleinen Gruppe und der Lorcha machten wir eine Erkundungsfahrt in das Gebiet. Die Insel war hervorragend gesichert, ihr kleiner Hafen lag in einer Wehranlage, die Einfahrt von zwei Geschütztürmen mit schweren Rotzen geschützt. Wenn hier feindliche Schiffe auftauchten, hätten sie kaum eine Chance.

Wir umrundeten die Insel, die andere Seite war nicht durch Mauern geschützt aber zwischen dem Strand und El Barrakudas Hauptquartier lag eine hohe Bergkette. Soweit wir sehen konnten, könnten geübte Kletterer diese an einer Stelle überwinden und direkt in einen der Türme eindringen, wenn die Besatzung abgelenkt war.

Unser Plan nahm Gestalt an. Eine Gruppe mit den besten Kletterern würde mit der Lorcha am Strand anlanden und den Turm einnehmen. Die Türme würde das schlechteste unserer Schiffe mit einer Rumpfbesatzung ablenken. Die restlichen Schiffe würden außer Sicht warten, bis die Türme unter Kontrolle waren und dann den Hafen stürmen…